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zweiradfahrer

auf der Reise zum Sternberg

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Urlaub in Difra und Alexandria (Johann)

10. September 2010 von zweiradfahrer

Müll am Stadtrand
Müll am Stadtrand
Der Ring
Der Ring
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Alhamdulila
Alhamdulila
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Auf dem Nil
Auf dem Nil

In Difra
In Difra
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Alexandria
Alexandria

Neue Bibliothek
Neue Bibliothek
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P1030057


Tag 121                              125km                            14.07.10

Irgendwann wird es Morgen und ich fahre weiter. In einem Restaurant bekomme ich einen Nescafé der wirklich gut tut nach dieser Nacht. In Ermanglung eines Frühstücks kaufe ich Kekse…

Dann komme ich nach Kairo. Grade als ich auf das auffahre, was ich für die Ringautobahn halte sehe ich aus dem Augenwinkel noch ein Schild: Ring 300 m. Ich fahre trotzdem weiter, es gibt eh keine Wendemöglichkeit. Ich frage Polizisten-inkompetent wäre geschmeichelt.. Ich fahre weiter, bin unsicher, fahre auf dem Standstreifen der achtspurigen Autobahn wieder zurück und frage dann zwei LKW Fahrer, die auf dem Standstreifen Pause machen. Mühsam gelingt es ihnen mir zu erklären, dass ich richtig bin und laden mich noch zu einem Tee auf der Autobahn ein.

Als der Ring in den Rand von Kairo führt riecht es stellenweise als wäre die ganze Stadt ein einziges Klosett. Viel Müll, viele neugebaute Häuser, viele Moscheen und Kirchen, die immer beieinander zu stehen scheinen.

Die Minibusse, die immer wieder auf dem Standstreifen der Autobahn halten machen das Fahren sehr unangenehm. Ich bin froh, als nach 30 Kilometern auf dem Ring der Abzweig nach Alexandria kommt, aber die Verkerssituation verbessert sich kaum. Einmal quietschen direkt hinter mir die Reifen eines bremsenden Autos. Keine Ahnung was passiert ist, aber es klang knapp. Viele langsame LKW und Autos scheinen noch nie etwas (vom auch in Ägypten existierenden) Rechtsfahrgebot gehört zu haben, sie fahren wo es ihnen grade beliebt. Links und rechts vorbei schlängeln sich dann die Fahrzeuge denen es zu langsam geht. Als ich vor sechs Jahren in Kairo war, empfand ich die Verkehrssituation als faszinierend; einem Ameisenhaufen gleichend. Man selber erkennt kein System aber es funktioniert erstaunlich gut. Nicht so auf dieser Straße. Inzwischen habe ich ja nun wirklich einige Länder durchfahren und die Straße ist quasi mein zuhause, aber hier ist der Verkehr unkontrolliert idiotisch und gefährlich. Es scheint als hätte es hier bei der Suche nach alternativen Energien einen entscheidenden Fortschritt gegeben in dem es gelungen ist Hirn statt Benzin zu verfeuern…

Unfassbar wie grün das Niltal ist. Ich mache im Garten eines Restaurants eine lange Pause. Es gibt eine Wiese, Bäume, Sträucher, alles in sattem grün. Was für ein wohltuender Kontrast wenn man aus der Wüste kommt.

Abend komme ich in Difra an, dem Dorf in dem Mohammed wohnt, ein Bauarbeiter mit dem seit unserer gemeinsamen Zeit auf der Baustelle in Salt während meines Zivildienstes befreundet bin. Wir essen noch gemeinsam zu Abend, dann falle ich müde ins Bett.

Tag 122                         15.07

Am nächsten Morgen holt uns ein Fahrer mit seinem Auto ab, er soll uns aufs Land zu der Familie von Karim (Mohammeds Frau) bringen, die wir besuchen wollen. Während der Fahrt frage ich mich, ob ich diesen Verkehr lieber aus dem Auto, oder vom Fahrrad aus verfolge. Fahrrad… Ein LKW fährt wieder grundlos links unser Fahrer gibt Gas und überholt rechts. Dort steht aber ein Traktor mit Hänger auf der Fahrbahn. Ich frage mich noch kurz ob es wirklich möglich sein sollte vor dem Traktor wieder auf die Linke Fahrspur zu kommen. Ist es nicht. Fast ungebremst krachen wir hinten auf den Anhänger, der Traktor macht sich sofort aus dem Staub, ebenso der LKW während wir nach einem kurzen Schockmoment aus dem Auto steigen. Ich war vorn zum Glück angeschnallt, aber hinten wo Mohammed und Karim jeweils mit einem Kind auf dem Schoß saßen, gab es keine Gurte. Es ist schon ein gutes Stück Bewahrung, dass beide die Kleinen und sich so gut gehalten haben. Unser Fahrer steht unter Schock und wimmert vor sich hin, während in Karim, auch noch leicht geschockt beschimpft, weil er das Leben der Kinder so leichtfertig und unnötig aufs Spiel gesetzt hat. Der Fahrer muss von anderen Männern aus dem Wagen gehievt werden, ist aber wie wir anderen auch bis auf leichte Schürfwunden unverletzt.

Wir warten etwas, bis uns ein nächster Fahrer abholt. Zu meinem Schrecken fährt er aber nur geringfügig sicherer und scheint den Standstreifen, auf dem sich hier Menschen und Eselskarren tummeln als ideale Überholspur an. Ich halte mich für einen recht entspannten Beifahrer, aber als der erste Fußgänger zur Seite springen muss um nicht überfahren zu werden fordere ich unseren neuen Fahrer doch auf etwas langsamer zu fahren…Wir kommen ohne weiteren Zwischenfall an. Alhamdulila-Gott sei Dank.

Höhepunkt unseres Besuches wird es für mich mit dem Sohn, der knapp mein Alter hat auf dem Nil in einem Ruderboot zu angeln und sich dabei über die Politik und Ökonomie Ägyptens, Gott und die Welt zu unterhalten.

Tag 123-125                  16-18.07

Manche Sachen sind in dem Dorf  Difra immer noch so, wie ich sie von meinem ersten Besuch vor sechs Jahren in Erinnerung habe. Frauen waschen Geschirr, Teppiche und Kleidung im Fluss, Jungen baden, Männer angeln in ihm. Unwahrscheinlich viele Kinder spielen auf den Straßen und in den vielen kleinen Gassen die nur einen Lehmboden haben. Frauen sitzen auf der Stufe ihrer Tür vor dem Haus und hübsche Töchter haben sie auch immer noch. Es gibt viele Eselskarren, man wird auf Tritt und Schritt eingeladen. Aber es gibt auch Veränderungen. Dreirädige Autos, wie man sie eher in Indien vermuten würde haben Einzug gefunden und viele Häuser haben ein weiteres Stockwerk aufgesetzt bekommen, so dass die Gassen etwas dunkler geworden sind. Aber es bleibt ein Bauerndorf. Vieh wird durch die Gassen getrieben, Mohammed stoppt einmal einen davonlaufenden Esel für einen kleinen Jungen, bei Mohammeds Eltern laufen immer wieder Kücken in das Wohnzimmer und als wir abends zu einer Wasserpfeife bei Nachbarn eingeladen sind, werden Schafe durch den Raum in dem wir gemütlich sitzen ins Haus getrieben. Nachts schreit nebenan immer wieder ein Esel.

In diesen Tagen besuchen wir immer wieder Verwandte und Bekannte von Mohammed im Dorf, bei denen wir zu Tee oder zum Essen eingeladen sind. Oft gesellen sich dann noch viele Kinder oder Nachbarn dazu, die den Exoten, der mit einem Fahrrad aus Deutschland kam, um jemanden aus ihrem Dorf zu besuchen, bestaunen.

Gegen Ende der Zeit bekomme ich Kopfschmerzen und wahrscheinlich auch etwas Fieber. Ich bin im Elternschlafzimmer untergebracht, Mohammed und Karim sind extra für mich in einen anderen Raum gezogen. Leider gibt es in dem Raum kein Fenster, dass man öffnen kann, dafür aber erstaunlich viele Mücken. Die perfekte Regeneration ist da nachts nicht möglich.

Tag 126-131             19-24.07

Da Mohammed mit seiner Familie am nächsten Tag selber wieder nach Jordanien geht, breche ich auf, auch wenn ich noch nicht wirklich wieder richtig fit bin. Ich fahre mit dem Rad die 5 km nach Tanta und vera bschiede mich dort von Mohammed, der mit dem Bus zum Bahnhof gekommen ist. Mohammed ist ein Bauarbeiter, der es aber durch seinen Fleiß und den Job in Jordanien relativ weit gebracht hat, jedoch ist er absolut bescheiden und bodenständig. Trotz seines relativ jungen Alters haben die Leute in Difra viel auf seine Meinung gegeben. Vielleicht auch weil er viel ruhiger, überlegter und nicht so streitlustig ist wie viele andere im Dorf. Er gehört auf jeden Fall mit zu den gastfreundlichsten Leuten, die ich auf der Tour getroffen habe.

Mit dem Zug fahre ich nach Alexandria wo ich die nächsten Tage quasi Urlaub mache. Ausschlafen, 3 Bücher lesen, an der Mittelmeer Uferpromenade spazieren gehen, die neue Bibliothek besichtigen, genießen, dass Alexandria ein ganz anderes Flair hat, als der Rest Ägyptens und genießen, dass es hier viele Cafés mit echtem Kaffee gibt.

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